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Blue Note Records Festival
Gent, 6.7. - 17.7.2007

Wer den direkten Vergleich aufstellt, wird krasse Unterschiede feststellen zwischen dem "Blue Note Records Festival" im belgischen Gent und dem "North Sea Jazz Festival" im holländischen Rotterdam. Wer direkt vom größten Jazzevent in Belgien weiter zum größten in Holland fährt, spürt das besonders.

Yukimi Nagano

Denn im Gegensatz zum hektischen Treiben in Rotterdam herrschte zuvor in Flandern eine wunderbare Gelassenheit und angenehme Atmosphäre bei Musikern, Publikum und Veranstaltern. "Unsere Künstler erzählen uns immer, wie sehr sie es hier mögen, die relaxte Atmosphäre und auch das aufmerksame Publikum", erzählt Festivalmacher Bertrand Flamang im Gespräch nicht ohne Stolz. Ja, das Publikum hört in Gent zu, weil es nicht wie in Rotterdam ständig umherläuft, um von einem Spielort zum nächsten zu hetzen. In Gent setzt man nur auf eine Bühne, "und daran werden wir auch festhalten", verspricht Flamang.

So passen zwar täglich nur maximal 3.500 Zuhörer ins halboffene Konzertzelt mit dem vorzüglichen Sound innerhalb alter Klostermauern am Zentrumsrand von Gent, aber Wachsen um jeden Preis ist Flamangs Idee seines Festivals ohnehin nicht. Obwohl, das "Blue Note Records Festival" läuft inzwischen auch schon elf Tage. Vor sechs Jahren hatte es mit zwei Wochenenden angefangen und für den nächsten Sommer sind auch wieder kleine, noch nicht spruchreife Modifikationen im Ablauf geplant.

Nils Petter Molvaer

Die bewährte Aufteilung von mehreren Abenden mit eher puristischem Jazz und Künstlern wie Wynton Marsalis, der mit seinem Jazz at Lincoln Center Orchestra anrückte, der Charles Tolliver Big Band oder dem hoch geloben belgischen Jeff Neve Trio, das Verstärkung durch den italienischen Trompeter Flavio Boltro erhielt, und dem zweiten Festivalteil mit Crossover-Projekten ist eine gelungene Sache. Man weiß im Groben, worauf man sich bei den entsprechenden Abenden einlässt.

So verzauberte die schwedische Formation Koop mit ihrer japanischen Sängerin Yukimi Nagano mit geschmeidigem Nu-Jazz, bevor Trompeter Erik Truffaz eine spannende Liaison einging mit Sänger Ed Harcourt. Das Cinematic Orchestra um Jason Swinscoe hatte nicht nur atmosphärisch packende Stimmungen auf der Pfanne, sondern verblüffte, auf die Rhythmussektion reduziert, auch als richtig gute Jazzband.

India.Arie

Das Quintett von Trompeter Nils Petter Molvaer und Bassmann und Soundguru Bill Laswell blieb dagegen leider zu oft in einer gleichförmig ätherisch-gedämpften Stimmung stecken. Da wusste Soulstimme India.Arie mit größerer Band im Rücken und viel Verve und schmissigem Soul im Programm ganz anders das Publikum mitzureißen. Guru´s Jazzmatazz als auch DJ Shadow sorgten für nickende Köpfe mit ihrem jazzinfiziertem HipHop, während mit Zap Mama Belgiens Lieblinge die Bühne erklommen.

Belgische Acts bekommen hier verstärkt ein Podium, um sich zu präsentieren. So wusste vor allem Rapper Baloji im Verlaufe seines Auftritts immer mehr zu überzeugen. Der aus dem Kongo stammende, von einer belgischen Familie adoptierte Vokalist und sein Gemisch aus HipHop, Nu-Soul und Afrobeat hatten Substanz und machten viel Spaß.

DJ Shadow

Im kommenden Februar wird es übrigens das erste Mal eine viertägige Winterausgabe des "Blue Note Records Festival" geben. Am selben Spielort, allerdings im Konzertsaal im Inneren der Klosteranlagen Bijloke, und in Kooperation mit dem London Jazz Festival und dem North Sea Jazz Festival, die Gleiches vorhaben.

Christoph Giese

Blue Note Records Festival im Internet: www.bluenoterecordsfestival.com

Fotos: Christoph Giese

© jazzdimensions 2007
erschienen: 2.8.2007
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