Auf dem neuen Album "St. Louis Shoes" von Greg Osby gibt es eine gehörige Portion allerfeinsten Blues auf die Ohren! Das Album kommt atmosphärisch dicht und durchweg stark daher. Mit den ganz eigenen Interpretationen von Werken weltbekannter Bluesgrößen gelingt es Greg Osby und seinen Begleitmusikern von der ersten Sekunde an, den Hörer bei der Hand zu nehmen, um ihn in den tiefen amerikanischen Süden zu entführen.
Greg Osby - "St. Louis Shoes"
Greg Osby hat zu seinem Altsaxophon gegriffen und sich zusammen mit Nicholas Payton (t, flhn), Harold O'Neal (p), Robert Hurst (b) und Rodney Green (dr) an teilweise schon fast antike Klassiker wie "Shaw Nuff" von J. Gillespie & Ch. Parker gewagt. Und gewonnen. Man mag kaum glauben, dass zwei seiner Begleitmusiker O'Neal und Green erst Anfang zwanzig sind. Den fünf Interpreten ist das bemerkenswerte Kunststück gelungen, die edlen Klassiker erfrischend neu und lebhaft in die Neuzeit zu transportieren, und dabei trotzdem behutsam deren Einzigartigkeit zu bewahren.
Osby und Co. nutzen bei ihren Neufassungen die ganze Bandbreite instrumentaler Ausdrucksmöglichkeiten. Es ist zum Beispiel wunderbar, zu hören, wie Nicholas Payton bei Gershwins "Summertime" seiner Trompete Klänge entlockt, die einen sofort an einen Schwarm mördergroßer Insekten denken läßt, der einen bei einer hochsommerlichen Wanderung durch die Atchafalaya-Sümpfe angriffslustig umkreist. So muß es sein.
"St. Louis Shoes" macht einfach Spaß, ist temperamentvoll, gelegentlich melancholisch und hat vor allem eins viel Seele. Und es wäre mal wieder bewiesen: "'Summertime' and the living is easy!"
Peggy Thiele
CD: Greg Osby - "St. Louis Shoes" (Blue Note 7243 58/699 28)
Greg Osby im Internet: www.gregosby.com
Blue Note Records im Internet: www.bluenote.com
Cover: Burton Yount