"Ein Mann alleine", könnte als Kurzbeschreibung dieser Aufnahme dienen. Allerdings nicht "allein im Walde", zumal hier von "still und stumm" nicht die Rede sein kann. Es handelt sich nämlich um Steve Lacy, und außer seinem Saxophon ist dabei nichts zu hören. Nur ein einzelnes Saxophon kann das für eine Dreiviertelstunde spannende Musik reichen? Es kann.
Steve
Lacy - "Live at Jazzwerkstatt Peitz"
Die Aufnahme auf dieser CD entstand im Jahr 1981 in der damaligen DDR während einer Veranstaltung der legendären "Jazzwerkstatt Peitz" eine Reihe, die letztes Jahr in Potsdam und Berlin als "Jazzwerkstatt" wiedererstanden ist und in deren Rahmen auf einer gleichnamigen CD-Reihe sowohl aktuelle Aufnahmen wie auch höchst verdienstvoll schwer zugängliche Aufnahmen aus jenen Anfängen erscheinen.
Notwendigerweise erfordert das Hören einer CD wie der vorliegenden, verglichen mir "fett arrangierten" größeren Besetzungen, mehr Konzentration. Die Redundanz innerhalb der Klänge ist gering, die gedankliche Ergänzung der Harmonien ist dem Zuhörer überlassen. Im Gegenzug tritt jedoch auch das musikalische Geschehen offen zu Tage, die feinen Verästelungen, minutiösen Variationen und mäandernden Monologe von Lacys Sopransaxophon, die den Hörer immer tiefer in die Gefilde des Free Jazz hineinlockt.
Wer Lol Coxhills Solowerk schätzt, wird auch an dieser CD Geschmack finden. Purer und direkter (es ist fast kein färbender Raumklang vorhanden) kann man Saxophon kaum erleben. Lesens- und deshalb hier erwähnenswert sind die Linernotes von Bert Noglik. "Live at Jazzwerkstatt Peitz" ist mit Sicherheit ein Zeitdokument und somit eine sammelwürdige Aufnahme, allerdings eher nicht "die CD für alle Lebenslagen".
Frank Bongers
CD: Steve Lacy - "Live at Jazzwerkstatt Peitz"
(Jazzwerkstatt JW009)
Steve Lacy im Internet: www.stevelacymusic.org
Jazzwerkstatt im Internet: www.jazzwerkstatt-berlin-brandenburg.de
Cover: Klaus Untiet