Das man mit Vogelfutter auch Jazz-Enthusiasten begeistern kann, beweist der italienische Violinist Stefano Pastor gleich im ersten Stück, wenn er sich Ornette Colemans Hommage an Charlie Parker vornimmt: "Bird food" verstreut free-jazzige Posaunentöne mit kratzigen, krächzend-heiseren Geigentönen, die der markante Glatzkopf mit dem struppigen Bart seinem Instrument entlockt.
Stefano
Pastor - "Transmutations"
Die Geige führt im Jazz nach wie vor eher ein Schattendasein. Und irgendwie will dieses für die Klassik so wunderbar geeignete Instrument im Jazz keine Heimat finden. Wenige gibt es zudem, die sich von weichgespülten Sounds entfernen, die experimentell mit den Möglichkeiten des Instruments spielen.
Stefano Pastor ist da eine rühmliche Ausnahme. Auch im weiteren Verlauf der CD bleibt er seiner Linie treu, italienische Momente mit Bop und Free Jazz zu vermischen, dass man seinen Ohren manchmal ncht traut. Überhaupt meistert er die schwierige Situation, ohne echtes Harmonieinstrument auszukommen.
Die erwähnte Posaune, Geige, Bass und Schlagzeug bilden das Fundament einer fragilen, jederzeit umschlagenden Musik, die einem schon mal orientierungslos im Raum stehen lassen kann. Wer keine Angst vor ungewöhnlichen Tönen hat, der ist bei Stefano Pastor genau richtig!
Hermann Mennenga
CD: Stefano Pastor - "Transmutations" (Slam Productions - SLAMCD 512 - 2006)
Stefano Pastor im Internet: www.stefanopastor.com
Slam Productions im Internet: www.slamproductions.net
Cover: n.n.