Zwar von den Wurzeln des Jazz herkommend, aber in Auseinandersetzung mit der neuartigen elektronischen Musik und den Möglichkeiten der Technik, geht der Sohn des berühmten Roy Haynes seinen eigenen Weg. Dabei begreift er diese Medien als Chance und den Umgang damit als Notwendigkeit, um den Anschluß nicht zu verpassen:
"Programmers and DJs are dominating the industry now, but musicians have the ability to play music, a much older language. We have to work together to make sense out of what´s going to happen to music in the future."
Graham Haynes - "bpm"
Damit ist Haynes nicht nur am Puls der Zeit gelandet, sondern bestimmt wahrscheinlich auch eine der Richtungen mit, in die sich Musik entwickeln wird - und kann.
Haynes wunderbares Cornettspiel trifft bei dem Stück "Tristan in the Sky" (Richard Wagner!) auf die Gitarre von Brandon Ross - eher klassisch anmutend, mit zartem Elektronikhintergrund. Der Drummer Marque Gilmore kommt bei "Telluride" zum Zuge, einem völlig schrägen drum&bass-Take - und schließlich kann sich DJ "Spazekraft" so richtig bei "On Climate" austoben, einer "Wind- und Unterwassermusik" - faszinierend, blubbernd, meditativ und dumpf zugleich. Nicht zu vergessen der Percussion-Einsatz von Daniel Moreno bei der Haynes/Gilmore-Komposition "Inn a most".
Insgesamt eine ziemlich schräge, d&b-dominierte Platte, mit häufigem Bezug zur Klassik (Wagner!), jazzigem "Gebläse" von Haynes, Techno-DJ-Beats - und somit ein Beleg für die agile "New Downtown New York Avant-Tecno-Scene".
Carina Prange
CD: Graham Haynes - "bpm" (Knitting Factory KFR-270)
Cover: Russel Mills
Graham Haynes im Internet: www.grahamhaynes.com
Knitting Factory im Internet: www.knittingfactory.com