Das norwegische Duo Vertex, bestehend aus dem Gitarristen Petter Vågan und dem Klangforscher Tor Haugerud, arbeitet auf ihrem Debütalbum an der Schnittstelle zwischen Folk und elektronischem Geräusch. Ihre Musik hat etwas Anachronistisches, setzt sie doch bei Randfiguren der Musikgeschichte wie John Fahey und dem Elektronikehepaar Bebe und Louise Barron an.
Vertex
- "Shapes & Phases"
Dabei hat die Vermischung von Folk und Elektronik gerade in den vergangenen 20 Jahren eine Menge verzaubernder, elektronifizierter Songschreibermusik hervorgebracht. Dies aber ist die Sache von Vertex nicht. Sie betreiben Klangforschung aus dem Material heraus. Bei Vågan ist es die akustische Gitarre als Klangkörper mit einer schier unerschöpflichen Vielfalt. Haugerud hingegen arbeitet mit primitiven Mitteln wie etwa einem Ringmodulatoren aus den 50er Jahren.
"Shapes & Phrases" ist ein Album mit neun ineinander übergleitenden Titeln, einer Art "Suite" elektroakustischer Musik mit einfachsten Mitteln. Jenseits von Ambient oder Dub, doch inmitten einer Szene, die die Möglichkeiten der frühen Klangerzeuger gerade wieder neu entdeckt, kreieren Vertex akustische Landschaften voller wohliger, aber auch verstörender Klänge.
"Shapes & Phrases" klingt betörend wie der Soundtrack zu einer Neuverfilmung der Frankenstein-Filme der dreißiger Jahre.
Michael Freerix
CD: Vertex - "Shapes & Phases" (SOFA MUSIC 529)
Vertex im Internet: www.myspace.com/vertexmusic
Sofa Music im Internet: www.sofamusic.no
Cover: Jonas Howden Sjøvaag